Wichtiger Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der neutralen Aufklärung und allgemeinen Information. Sie ersetzen keine tierärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden Deines Tieres wende Dich bitte an Deine Tierarztpraxis.
Blasse Schleimhäute, Schwäche, schnelle Erschöpfung: Hinter diesen Zeichen kann bei Hund und Katze eine Blutarmut stecken, fachlich Anämie. Ein Eisenmangel ist dabei nur eine von mehreren möglichen Ursachen, und fast nie die erste, an die zu denken ist.
Dieser Beitrag ordnet ein, wie eine Anämie entsteht, welche Formen unterschieden werden, woran Du sie bemerken kannst und warum Eisenpräparate ohne tierärztlichen Befund keine gute Idee sind.
Was bei einer Anämie im Organismus passiert
Rote Blutkörperchen, die Erythrozyten, übernehmen den Transport von Sauerstoff aus der Lunge zu allen Geweben. Möglich macht das der Blutfarbstoff Hämoglobin, der den Sauerstoff bindet und wieder abgibt. Eisen ist als Bestandteil des Hämoglobins das entscheidende Spurenelement dafür; ohne ausreichende Eisenaufnahme kann der Organismus keinen funktionsfähigen Blutfarbstoff bilden und der Sauerstofftransport leidet.
Sinkt die Zahl der roten Blutkörperchen oder der Hämoglobingehalt, kommt weniger Sauerstoff im Gewebe an. Das Tier wird schwächer, schneller müde und atmet bei Belastung angestrengter.
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Regenerative und nicht regenerative Anämien
Die wichtigste Unterscheidung im Blutbild betrifft die Frage, ob das Knochenmark reagiert:
- Regenerative Anämie. Das Knochenmark bildet neue Erythrozyten und schickt vermehrt junge rote Blutkörperchen ins Blut. Typisch bei akuten Blutverlusten und bei Hämolyse, also der vorzeitigen Auflösung roter Blutkörperchen.
- Nicht regenerative Anämie. Das Knochenmark produziert zu wenig Nachschub. Ursachen sind chronische Erkrankungen, Nierenerkrankungen, Erkrankungen des Knochenmarks selbst und ein länger bestehender Eisenmangel.
Welche Art der Anämie vorliegt, entscheidet über die Therapie. Deshalb steht am Anfang immer das Blutbild und nicht das Eisenpräparat.
Eisenmangel bei Hunden und Katzen: die Ursachen
Blutungen
Ein akuter, starker Blutverlust nach einer Verletzung ist offensichtlich. Gefährlicher ist die stille Variante: eine geringgradige, über Wochen anhaltende Blutung, etwa aus Magengeschwüren oder aus einem blutenden Tumor. Genau daraus entsteht die klassische Eisenmangelanämie mit auffallend kleinen roten Blutkörperchen.
Bei Jungtieren stecken hinter einem chronischen Eisenverlust am häufigsten Parasiten: Flöhe, Läuse, Zecken oder Darmwürmer. Bei älteren Vierbeinern sind Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Tumoren die häufigeren Gründe. Auch eine Trächtigkeit erhöht den Bedarf deutlich.
Hämolytische Anämie
Bei einer hämolytischen Anämie werden rote Blutkörperchen vorzeitig abgebaut. Auslöser können Infektionen, Autoimmunerkrankungen, in denen sich das Immunsystem gegen die eigenen Erythrozyten richtet, sowie bestimmte Gifte und Medikamente sein. Eine Gelbfärbung der Schleimhäute kann dabei auffallen.
Chronische Erkrankungen
Länger bestehende Entzündungen, Tumorerkrankungen und vor allem chronische Nierenerkrankungen führen häufig zu einer nicht regenerativen Anämie. Bei Nierenerkrankungen fehlt zusätzlich das Hormon, das die Blutbildung im Knochenmark anregt.
Symptome: woran Du eine Blutarmut bemerkst
- Blasse Schleimhäute an Zahnfleisch und Augenlidern. Ein wichtiges, aber kein eindeutiges Zeichen.
- Schwäche und Lethargie. Häufige Symptome sind Müdigkeit und schnelle Ermüdung schon bei kurzen Spaziergängen oder beim Spielen.
- Erhöhte Herzfrequenz und schnellere Atmung, weil der Körper den Sauerstoffmangel auszugleichen versucht.
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust.
- Ungewöhnliches Fressverhalten, etwa das Aufnehmen von Erde oder kleinen Steinen.
- Gelbfärbung der Schleimhäute bei Hämolyse oder bei Lebererkrankungen.
Ein plötzlicher schwerer Blutverlust ist ein Notfall. Bei blassen Schleimhäuten zusammen mit Schwäche, schneller Atmung oder Zusammenbrechen gehört das Tier sofort in die Tierarztpraxis oder in eine Tierklinik.
Diagnose beim Tierarzt
Am Anfang steht das Blutbild: Zahl der Erythrozyten, Hämoglobin, Hämatokrit und, im Blutausstrich, die Frage, ob neue Erythrozyten nachkommen. Tierärzte und Tierärztinnen beurteilen daran die Art der Anämie. Je nach Bild folgen Untersuchungen auf Parasiten, Kotuntersuchungen auf verstecktes Blut, Ultraschall des Bauchraums, Organwerte und gegebenenfalls eine Untersuchung des Knochenmarks.
Erst wenn feststeht, welche Art der Anämie und welche Ursache vorliegt, wird behandelt: mit Entwurmung, mit Behandlung der Grunderkrankung, mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen, mit Eisenpräparaten bei nachgewiesenem Eisenmangel oder, bei schwerer Anämie, mit einer Bluttransfusion.
Fütterung und Eisenpräparate: was Du selbst beitragen kannst
Ein handelsübliches Alleinfuttermittel deckt den Eisenbedarf gesunder Hunde und Katzen ab. Mehr Eisen über das Futter ist bei einer Anämie deshalb selten die Lösung, und Eisenpräparate auf Verdacht sind nicht harmlos: Zu viel Eisen belastet den Organismus und kann Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
Sinnvoll ist dagegen:
- hochwertiges Eiweiß aus tierischen Quellen in der Ration, etwa Muskelfleisch und in Maßen Innereien wie Leber
- eine fachlich berechnete Ration, wenn Du selbst kochst oder roh fütterst
- konsequenter Parasitenschutz, gerade bei Jungtieren und Freigängern
- regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bei älteren Tieren, weil chronische Blutverluste lange unbemerkt bleiben
Wenn Du die Versorgung Deines Tieres genauer einschätzen möchtest
Für Haustiere bietet Medicross einen eigenen Mikronährstofftest für Haustiere auf Basis einer Haarprobe an; für Futterbestandteile gibt es den Unverträglichkeitstest für Haustiere. Beides sind Wellness-Tests, die Anhaltspunkte für Deine eigene Beobachtung geben. Eine tierärztliche Untersuchung und ein Blutbild ersetzen sie nicht.
Häufige Fragen
Kann ich meinem Hund einfach Eisen geben?
Besser nicht. Ohne Blutbild ist unklar, ob überhaupt ein Eisenmangel vorliegt, und bei den meisten Anämien ist Eisen nicht die Ursache. Ein Überschuss belastet den Organismus.
Ist Eisenmangel bei Katzen häufig?
Als eigenständige Ursache eher selten. Er entsteht meist sekundär durch chronische Blutverluste, etwa durch Parasiten oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt.
Woran erkenne ich blasse Schleimhäute?
Hebe vorsichtig die Lefze und sieh Dir das Zahnfleisch an. Gesundes Zahnfleisch ist rosa. Sehr helles oder weißliches Zahnfleisch ist ein Grund, zeitnah in die Tierarztpraxis zu gehen.
Kann sich eine Anämie von selbst bessern?
Wenn die Ursache wegfällt, zum Beispiel nach einer Entwurmung, kann sich das Blutbild erholen. Ohne Klärung der Ursache ist Abwarten aber riskant.
Das Wichtigste in Kürze
- Anämie ist ein Befund, keine Diagnose; sie ist fast immer Zeichen einer Grunderkrankung.
- Unterschieden wird zwischen regenerativer und nicht regenerativer Anämie; das entscheidet die Therapie.
- Eisenmangel entsteht bei Hund und Katze meist durch chronische Blutverluste, etwa durch Parasiten oder Blutungen.
- Blasse Schleimhäute, Schwäche und schnelle Atmung sind die wichtigsten Warnzeichen.
- Eisenpräparate ohne Blutbild sind nicht sinnvoll und nicht harmlos.
- Ein plötzlicher schwerer Blutverlust ist ein Notfall.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Bewertungen zur Sicherheit von Futtermitteln und zu Zusatzstoffen in der Tierernährung.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Grundlagen zu Eisen, Hämoglobin und Blutbildung.