Wie alte Hunde mit jungen Welpen gelassen älter werden

Wie alte Hunde mit jungen Welpen gelassen älter werden

Wichtiger Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der neutralen Aufklärung und allgemeinen Information. Sie ersetzen keine tierärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden Deines Tieres wende Dich bitte an Deine Tierarztpraxis.

Ein Welpe kann einen älteren Hund aufleben lassen. Er kann ihn aber auch überfordern. Wie es ausgeht, entscheidet sich weniger am Zufall als an der Vorbereitung und daran, ob der Senior gesundheitlich dafür in der Lage ist.

Dieser Beitrag geht durch die Fragen, die vor der Entscheidung zu klären sind, und durch die ersten Wochen im gemeinsamen Haushalt.

Vor der Entscheidung: Ist Dein Senior überhaupt bereit?

Der wichtigste Punkt wird am häufigsten übersprungen. Ein älterer Hund, der schlechter läuft, sich zurückzieht oder schneller gereizt reagiert, hat dafür oft einen körperlichen Grund. Arthrose, nachlassendes Hören und Sehen oder Zahnschmerzen sind bei Senioren häufig und bleiben lange unbemerkt, weil Hunde Schmerz gut verbergen.

Ein Hund mit Schmerzen wird einen aufdringlichen Welpen nicht als Bereicherung erleben. Deshalb gehört vor die Entscheidung ein tierärztlicher Check: Bewegungsapparat, Zähne, Augen, Ohren und ein Blutbild. Was danach als Wesensveränderung aussieht, ist manchmal schlicht Schmerz.

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Welcher ältere Hund passt zu einem Welpen?

Gut geeignet ist ein Hund, der gesund, gut sozialisiert und im Umgang mit anderen Hunden sicher ist und der schon einmal mit Welpen zu tun hatte. Ein solcher Hund übernimmt einen Teil der Erziehung von selbst.

Diese Fragen helfen bei einer ehrlichen Einschätzung:

  • Wie verhält sich Dein Hund gegenüber fremden Hunden und besonders gegenüber Junghunden?
  • Zieht er sich zurück, wenn es lebhaft wird, oder sucht er den Kontakt?
  • Hat er Verhaltensweisen, die ein Welpe besser nicht übernimmt, etwa Dauerbellen oder Ressourcenverteidigung?
  • Wie ist sein Gesundheitszustand, und wie belastbar ist er im Alltag?
  • War er bisher Einzelhund?

Ein unsicherer oder schmerzhafter Hund ist kein schlechter Hund. Er ist nur kein guter Lehrmeister, und für den Welpen kann eine schlechte erste Erfahrung prägend bleiben.

Die Größe mitdenken

Ein großer, ungestümer Welpe kann einen kleinen oder gebrechlichen Senior im Spiel verletzen, ohne es zu wollen. Umgekehrt ist ein sehr kleiner Welpe neben einem großen Hund gefährdet. Je größer der Unterschied, desto häufiger wirst Du eingreifen müssen.

Die Zusammenführung: die ersten Tage

  • Erstes Treffen auf neutralem Boden. Nicht in der Wohnung, sondern draußen bei einem gemeinsamen Spaziergang mit Abstand.
  • Rückzugsorte einrichten, bevor der Welpe einzieht. Der Senior braucht einen Platz, an den der Welpe nicht kommt, notfalls hinter einer Tür oder einem Gitter.
  • Getrennt füttern. Zwei Näpfe in getrennten Räumen verhindern den häufigsten Konfliktanlass.
  • Ruhephasen schützen. Welpen brauchen viel Schlaf, ältere Hunde auch. Wer schläft, wird nicht gestört.
  • Aufmerksamkeit zuerst an den Senior. Begrüßung, Leine, Leckerli: Der alte Hund kommt zuerst dran. Das ist keine Rangordnungsfrage, sondern verhindert, dass er die Veränderung mit Verlust verknüpft.
  • Gute Dinge in Anwesenheit des Welpen. Wenn Besonderes immer dann passiert, wenn der Welpe dabei ist, entsteht eine positive Verknüpfung.

Wenn der Welpe nicht lockerlässt

Greif ein, bevor der Senior es selbst regeln muss. Schläft er, frisst er oder hat er ein Kauobjekt, wird der Welpe abgerufen, abgelenkt oder in einen anderen Raum mitgenommen. Das entlastet den älteren Hund und bringt dem Welpen gleichzeitig bei, dass nicht jede Aufforderung erfüllt wird.

Ein Teil der Kommunikation zwischen beiden sieht für uns härter aus, als er ist. Knurren, ein deutlicher Blick oder ein kurzes Abbruchsignal des Älteren gehören zum normalen Repertoire und sind kein Anlass einzuschreiten. Ein Welpe, der sich daraufhin klein macht, wegdreht oder auf den Rücken legt, zeigt damit Beschwichtigung; das macht er selbst, und es ist ein gutes Zeichen.

Eingreifen solltest Du, wenn

  • der ältere Hund dem Welpen keine Pause lässt oder ihn festhält
  • der Welpe quietscht, flieht und nicht entkommen kann
  • einer der beiden erstarrt und den anderen fixiert
  • es zu Verletzungen kommt, und sei es nur ein Kratzer

Wiederholen sich solche Situationen, hol Dir Unterstützung bei einer Hundetrainerin oder einem Hundetrainer mit tiergerechtem Ansatz oder in einer Praxis für Verhaltenstherapie. Methoden, bei denen ein Hund vom Menschen auf den Rücken gedreht oder eingeschüchtert wird, gelten fachlich als überholt und verschärfen das Problem meist.

Fütterung: zwei Hunde, zwei Bedürfnisse

Ein Welpe im Wachstum und ein Senior brauchen unterschiedliche Rationen. Welpenfutter ist energie- und nährstoffdichter, besonders im Verhältnis von Calcium und Phosphor, das beim wachsenden Skelett eine Rolle spielt. Senioren brauchen meist weniger Energie, dafür gut verdauliches Eiweiß.

Praktisch heißt das: getrennte Näpfe, getrennte Fütterungsorte, und das Welpenfutter nicht frei stehen lassen. Welche Ration für welchen Hund passt, besprichst Du am besten in der Tierarztpraxis; das gilt besonders, wenn einer der beiden eine Erkrankung hat.

Wenn Du die Versorgung Deiner Hunde genauer einschätzen möchtest

Für Haustiere bietet Medicross einen eigenen Mikronährstofftest für Haustiere auf Basis einer Haarprobe an; für Futterbestandteile gibt es den Unverträglichkeitstest für Haustiere. Beides sind Wellness-Tests, die Anhaltspunkte für Deine eigene Beobachtung geben. Eine tierärztliche Untersuchung ersetzen sie nicht.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis sich die beiden aneinander gewöhnen?

Das reicht von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Ein entspanntes Nebeneinander ist ein realistisches Ziel; echte Freundschaft ist ein Geschenk, kein Anspruch.

Soll ich meinen alten Hund zurechtweisen, wenn er den Welpen anknurrt?

Nein. Knurren ist Kommunikation und eine Warnung vor dem, was sonst käme. Wer das Knurren bestraft, nimmt dem Hund die Vorstufe und riskiert, dass er künftig ohne Vorwarnung reagiert. Sorge stattdessen dafür, dass er die Situation verlassen kann.

Ist ein zweiter Hund gut gegen Langeweile beim Ersten?

Nicht zwangsläufig. Wenn ein Hund unterfordert ist, hilft mehr gemeinsame Beschäftigung sicherer als ein zweiter Hund, der zusätzlich Aufmerksamkeit braucht.

Mein Senior zieht sich seit dem Einzug ständig zurück. Ist das normal?

In den ersten Tagen ja. Hält es an, frisst er schlechter oder meidet er den Kontakt zu Dir, gehört er in die Tierarztpraxis. Dahinter stecken häufig Schmerzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor der Entscheidung gehört der Senior tierärztlich untersucht; Schmerz sieht oft nach Wesensveränderung aus.
  • Rückzugsorte und getrennte Fütterung einrichten, bevor der Welpe einzieht.
  • Der ältere Hund kommt zuerst dran, damit er die Veränderung nicht mit Verlust verknüpft.
  • Knurren und deutliche Abbruchsignale sind normale Kommunikation und kein Grund einzuschreiten.
  • Eingreifen, wenn ein Hund nicht ausweichen kann, erstarrt oder es zu Verletzungen kommt.
  • Welpe und Senior brauchen unterschiedliche Rationen und getrennte Näpfe.

Quellen und weiterführende Informationen

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