Bauchschmerzen im Wachstum und in der Pubertät: Ursachen und was hilft

Bauchschmerzen im Wachstum und in der Pubertät: Ursachen und was hilft

Wichtiger Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der neutralen Aufklärung und allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder Allergologen. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte immer medizinisches Fachpersonal konsultiert werden.

Dein Kind klagt regelmäßig über Bauchschmerzen, und Du fragst Dich, ob das einfach zum Wachstum gehört. Bauchschmerzen bei Kindern sind einer der häufigsten Gründe für einen Besuch beim Kinderarzt, und in den meisten Fällen steckt keine schwere Erkrankung dahinter. Trotzdem gibt es Anzeichen, bei denen Du nicht abwarten solltest. Dieser Artikel erklärt, wie Bauchschmerzen im Wachstum und in der Pubertät zusammenhängen, was funktionelle Bauchschmerzen sind, was Du im Alltag tun kannst und wann eine ärztliche Abklärung ansteht.

Können Bauchschmerzen wirklich vom Wachstum kommen?

Der Begriff Wachstumsschmerzen ist im Zusammenhang mit dem Bauch etwas irreführend. Klassische Wachstumsschmerzen betreffen Beine und Gelenke, meist abends oder nachts, und sie haben mit den Knochen und der Muskulatur zu tun. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Längenwachstum und Schmerzen im Bauchraum ist nicht belegt.

Was es dagegen gibt: In den Wachstumsphasen und besonders im Grundschulalter und in der Pubertät verändert sich vieles gleichzeitig. Der Körper wächst schnell, der Hormonhaushalt stellt sich um, die Ernährung ändert sich, der Alltag wird voller und Stresssituationen nehmen zu. Der Magen-Darm-Trakt reagiert auf all das empfindlich. Wiederkehrende Bauchschmerzen in dieser Zeit sind deshalb häufig, auch wenn das Wachstum selbst nicht die Ursache ist.

Funktionelle Bauchschmerzen: die häufigste Erklärung im Kindesalter

Bei einem großen Teil der betroffenen Kinder findet sich keine organische Ursache. Fachleute sprechen dann von funktionellen Bauchschmerzen. Funktionell bedeutet nicht eingebildet: Die Schmerzen sind echt. Sie entstehen durch eine erhöhte Empfindlichkeit des Darms und ein besonders aufmerksames Zusammenspiel von Darm und Nervensystem, ohne dass ein Organ geschädigt ist.

Woran Du funktionelle Bauchschmerzen erkennst

Typisch ist ein Muster, das Eltern oft schon selbst beschreiben können, bevor eine Diagnose gestellt wird:

  • Die Beschwerden treten über Wochen oder Monate immer wieder auf, häufig wöchentlich, und sitzen meist rund um den Nabel.
  • Zwischen den Episoden ist das Kind beschwerdefrei, isst normal und spielt normal.
  • Das Kind gedeiht gut, nimmt nicht ab und hat kein Fieber.
  • Die Schmerzen treten tagsüber auf und wecken das Kind nicht nachts.
  • Oft gibt es einen erkennbaren Auslöser: Schulstress, ein Test, ein Streit, ein Umzug.

Begleitend können Blähungen, Verstopfung oder Durchfall auftreten. Wechseln Verstopfung oder Durchfall über längere Zeit miteinander ab, gehört das in die ärztliche Abklärung.

Die Nabelkolik

Für die besonders häufige Form bei 3- bis 10-jährigen Kindern ist der Begriff Nabelkolik gebräuchlich: oft heftige Bauchschmerzen in der Nabelgegend, die plötzlich kommen, Minuten bis Stunden dauern und wieder verschwinden. Die Ursache der Nabelkolik ist nicht restlos geklärt; angenommen wird ein Zusammenspiel aus Darmbewegung, Wahrnehmung und Anspannung. Beruhigend ist, dass sich die Beschwerden bei den meisten Kindern mit der Zeit von selbst geben. Ein Teil der Betroffenen berichtet allerdings auch im Erwachsenenalter über Bauchschmerzen, weshalb es sinnvoll ist, früh einen guten Umgang damit zu lernen.

Bauchschmerzen in der Pubertät

In der Pubertät kommen zwei Dinge hinzu. Erstens verändert sich der Hormonhaushalt, und bei Mädchen können mit dem Beginn der Regelblutung krampfartige Schmerzen im Unterbauch auftreten, die leicht mit Magen-Darm-Beschwerden verwechselt werden. Zweitens verändert sich das Essverhalten: unregelmäßige Mahlzeiten, viel unterwegs, mehr Süßgetränke, weniger Ballaststoffe. Das allein kann Blähungen und Verstopfung begünstigen.

Wenn ältere Kinder und Jugendliche regelmäßig nach bestimmten Mahlzeiten Beschwerden haben, lohnt es sich, das über zwei bis vier Wochen schriftlich zu beobachten: was gegessen wurde, wann, und wann die Bauchschmerzen kamen. Ein solches Ernährungstagebuch ist die nützlichste Vorbereitung für das Gespräch in der kinder- und jugendärztlichen Praxis, weil es Muster zeigt, an die sich im Nachhinein niemand erinnert.

Körperliche Ursachen, die abgeklärt werden sollten

Bevor von funktionellen Bauchschmerzen gesprochen wird, schließt die Kinderärztin oder der Kinderarzt organische Ursachen aus. Dazu gehören unter anderem:

  • eine Magen-Darm-Infektion, meist mit Erbrechen und Durchfall über wenige Tage,
  • Verstopfung, die häufiger übersehen wird, als man denkt,
  • eine Blinddarmentzündung, die sich typischerweise als starke Bauchschmerzen im rechten Unterbauch mit Fieber und Erbrechen zeigt und schnell in ärztliche Hände gehört,
  • eine Blasenentzündung, oft mit Brennen beim Wasserlassen,
  • eine Zöliakie, also eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten, die neben Bauchschmerzen mit Durchfall, Blähungen und schlechtem Gedeihen einhergehen kann,
  • eine Laktoseintoleranz, die sich meist erst im Schulalter oder später bemerkbar macht.

Chronische Bauchschmerzen bei Kindern werden also nicht einfach als funktionell abgetan, sondern nach Ausschluss anderer Erklärungen so benannt. Genau deshalb ist der erste Weg die Praxis und nicht das Internet.

Was Du als Eltern im Alltag tun kannst

Bei funktionellen Bauchschmerzen wirkt weniger ein Mittel als ein ruhiger, verlässlicher Umgang:

  • Wärme. Eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen auf dem Bauch entspannt die Muskulatur und tut den meisten Kindern gut.
  • Bauchmassage. Sanft im Uhrzeigersinn, mit warmen Händen, ein paar Minuten lang.
  • Ruhe ohne großes Aufheben. Nimm die Beschwerden ernst, aber mache sie nicht zum Mittelpunkt des Tages. Kinder übernehmen die Anspannung der Eltern.
  • Regelmäßige Mahlzeiten. Feste Zeiten, in Ruhe essen, ausreichend trinken. Ballaststoffreiche Lebensmittel und ausreichend Flüssigkeit helfen gegen Verstopfung.
  • Entspannungstechniken. Für ältere Kinder gibt es einfache Atem- und Entspannungsübungen, die bei stressbedingten Beschwerden nachweislich unterstützen.
  • Bewegung und Schlaf. Beides beeinflusst die Darmtätigkeit mehr, als vielen bewusst ist.

Wichtig: Schmerzmittel gehören bei wiederkehrenden Bauchschmerzen im Kindesalter nicht in die Dauerbehandlung. Ob und wann sie sinnvoll sind, entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt.

Wann Du ärztlichen Rat suchen solltest

Bitte lasse die Beschwerden zeitnah abklären, wenn eines der folgenden Anzeichen dazukommt:

  • starke Bauchschmerzen, die plötzlich beginnen und nicht nachlassen, besonders im rechten Unterbauch,
  • hohes Fieber,
  • anhaltendes Erbrechen oder Erbrechen von Blut,
  • Blut im Stuhl oder schwarzer Stuhl,
  • nächtliche Bauchschmerzen, die das Kind aus dem Schlaf wecken,
  • Gewichtsverlust, Wachstumsstillstand oder auffallende Blässe,
  • Durchfall über mehr als eine Woche,
  • Schmerzen beim Wasserlassen,
  • eine harte, berührungsempfindliche Bauchdecke.

Bei plötzlichen, sehr starken Bauchschmerzen mit hartem Bauch, Fieber oder Erbrechen ist das ein Notfall. Warte in diesem Fall nicht ab.

Häufige Fragen

Kann Wachstum Bauchschmerzen verursachen?

Ein direkter Zusammenhang ist nicht belegt. Klassische Wachstumsschmerzen betreffen Beine und Gelenke. In Wachstumsphasen häufen sich Bauchschmerzen aber, weil sich gleichzeitig Hormonhaushalt, Ernährung und Alltagsbelastung verändern.

Sind Bauchschmerzen in der Pubertät normal?

Gelegentliche Bauchschmerzen sind in diesem Alter häufig und meist harmlos. Treten sie über Wochen wiederholt auf oder kommen Erbrechen, Fieber, Blut im Stuhl oder Gewichtsverlust dazu, gehört das abgeklärt.

Welche Symptome haben Kinder, wenn sie wachsen?

Im Wachstum berichten Kinder vor allem über ziehende Schmerzen in Beinen und Gelenken, oft abends. Dazu kommen Müdigkeit und ein schwankender Appetit. Bauchschmerzen gehören nicht typischerweise dazu.

Mein 11-jähriges Kind hat ständig Bauchschmerzen. Was könnte die Ursache sein?

In diesem Alter sind funktionelle Bauchschmerzen die häufigste Erklärung, oft im Zusammenhang mit Stress. Häufig übersehen wird eine Verstopfung. Auch eine Zöliakie oder eine Laktoseintoleranz kommen in Frage. Ständige Beschwerden sollten immer kinderärztlich beurteilt werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bauchschmerzen entstehen nicht direkt durch das Längenwachstum, häufen sich in Wachstumsphasen aber deutlich.
  • Funktionelle Bauchschmerzen sind die häufigste Erklärung im Kindesalter: echte Schmerzen ohne organischen Befund.
  • Die Nabelkolik betrifft vor allem 3- bis 10-Jährige und gibt sich bei den meisten Kindern mit der Zeit.
  • Wärme, Bauchmassage, regelmäßige Mahlzeiten und Entspannung helfen im Alltag am besten.
  • Blut im Stuhl, hohes Fieber, nächtliche Schmerzen, Gewichtsverlust oder starke Schmerzen im rechten Unterbauch sind Gründe für einen sofortigen Arztbesuch.
  • Ein Ernährungstagebuch über zwei bis vier Wochen ist die beste Vorbereitung für das Praxisgespräch.

Quellen und weiterführende Informationen

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