Bier Unverträglichkeit – Das solltest du wissen!

Bier Unverträglichkeit – Das solltest du wissen!

Wichtiger Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der neutralen Aufklärung und allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin bzw. entsprechendes Fachpersonal. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte immer medizinisches Fachpersonal konsultiert werden.

Ein Glas Bier – und danach Blähungen, ein roter Kopf, eine verstopfte Nase oder Kopfschmerzen, die weit über einen Kater am nächsten Morgen hinausgehen. Wer das kennt, vermutet schnell eine Bier Unverträglichkeit. Der Begriff ist verständlich, aber ungenau: Bier ist ein Gemisch aus Wasser, Malz, Hopfen, Hefe und Alkohol, und jeder dieser Bestandteile kann eigene Beschwerden verursachen.

Dieser Artikel sortiert mögliche Ursachen – Gluten, Histamin und andere biogene Amine, Hefe, FODMAPs, Sulfite, Zusatzstoffe und den Alkohol selbst – und ordnet Symptome und Ursachen einander zu: welche Inhaltsstoffe zu welchen Beschwerden passen und wann eine ärztliche Abklärung ratsam ist.

Bier Unverträglichkeit: Diese Symptome sind typisch

Der Genuss von Bier kann zu sehr verschiedenen Beschwerden führen, weil bestimmte Bestandteile des Bieres jeweils eigene Mechanismen anstoßen. Typisch nach dem Verzehr sind:

  • Hautrötungen im Gesicht und am Hals, Hitzegefühl (Flush)
  • Hautausschläge, Nesselsucht oder Juckreiz
  • verstopfte Nase, Niesreiz oder tränende Augen
  • Herzrasen, Herzklopfen oder Blutdruckschwankungen
  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräne
  • Übelkeit, Blähungen, Bauchkrämpfe oder Durchfall
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsprobleme

Anders als bei einer Allergie treten diese unangenehmen Symptome oft zeitverzögert auf – manchmal erst Stunden später – und sie sind meist mengenabhängig. Ein halbes Glas ist dann oft noch verträglich, erst die größere Menge führt zu Symptomen wie Kopfschmerzen oder Blähungen. Eine heftige Reaktion schon nach wenigen Schlucken spricht dagegen eher für eine allergische Reaktion.

Bierallergie oder Bier Unverträglichkeit? Der Unterschied

Bei einer echten Bierallergie reagiert der Körper mit einer Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Allergene – meist Proteine aus Gerste, Weizen, Hopfen oder Hefe. Schon kleine Mengen können dann allergische Reaktionen hervorrufen; bei solchen allergischen Reaktionen entscheidet nicht die Menge, sondern die Empfindlichkeit des Immunsystems. Solche Bierallergien sind selten, können aber schwerwiegend und in Einzelfällen lebensbedrohlich verlaufen. Bei Atemnot, Schwellungen im Rachen, Kreislaufproblemen oder Hautreaktionen am ganzen Körper sofort den Notruf (112) wählen bzw. die nächste Notaufnahme aufsuchen. Bei Gräserpollenallergie sind außerdem Kreuzreaktionen mit Getreide beschrieben; wer unter Heuschnupfen leidet und allergisch gegen Bier zu reagieren scheint, sollte das allergologisch abklären lassen.

Bei einer Lebensmittelunverträglichkeit ist das Immunsystem nicht beteiligt; Fachleute sprechen von einer nicht-allergischen Reaktion auf Lebensmittel. Hier geht es um Verdauung und Abbauwege: Der Körper kann bestimmte Stoffe nicht richtig abbauen, oder ein Zucker wird nicht aufgespalten. Eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Inhaltsstoffen betrifft dabei häufig mehrere verschiedene Lebensmittel und nicht nur Bier. Solche Intoleranzen sind der häufigere Fall. Wie sich beide Formen unterscheiden, liest Du im Beitrag zum Unterschied zwischen Allergie und Unverträglichkeit.

Was Du im Alltag beobachten kannst

Weil Bier so viele mögliche Auslöser mitbringt, hilft strukturiertes Beobachten mehr als Raten. Ein Getränke- und Ernährungstagebuch über zwei bis vier Wochen ist der praktischste erste Schritt: Notiere Sorte, Menge, Uhrzeit, Begleitmahlzeit und Beschwerden. Oft werden Muster schnell sichtbar – etwa, dass naturtrübe Biere schlechter vertragen werden als filtrierte.

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Welche Bestandteile des Bieres Beschwerden auslösen können

Gluten aus Gerste und Weizen

Bier wird aus Gerstenmalz gebraut, Weizenbier zusätzlich aus Weizenmalz – beide Getreidesorten enthalten Gluten. Bei Zöliakie ist herkömmliches Bier deshalb nicht geeignet; hier ist eine lebenslange, strikt glutenfreie Ernährung die einzige anerkannte Behandlung. Auch bei einer Weizensensitivität, umgangssprachlich oft Glutenintoleranz genannt, werden Beschwerden berichtet. Mehr dazu im Beitrag zur Brot-Unverträglichkeit.

Histamin und andere biogene Amine: Wann Histamin freigesetzt wird

Bei der Gärung entstehen biogene Amine, darunter Histamin, Tyramin und Putrescin – Histamin etwa aus der Aminosäure Histidin. Der Histamingehalt und damit die Mengen an Histamin liegen in Bier meist deutlich niedriger als in Rotwein; für Menschen, die empfindlich reagieren, können schon geringe Mengen unangenehme Symptome auslösen. Histamin ist zugleich ein körpereigener Botenstoff: Mastzellen speichern es und können es bei Kontakt mit einem Allergen freisetzen. Wird auf diesem Weg zusätzlich Histamin freigesetzt, addiert es sich zu dem Histamin aus dem Getränk. Erschwerend kommt hinzu, dass Alkohol und sein Abbauprodukt Acetaldehyd die Diaminoxidase (DAO) hemmen können – also genau das Enzym, das für den Abbau von Histamin im Darm zuständig ist. Details im Beitrag zur Histaminintoleranz.

Hefe

Hefe ist ein eigenständiger Auslöser und wird oft übersehen. Naturtrübe und obergärige Biere wie Hefeweizen oder Kellerbier enthalten lebende oder abgestorbene Hefezellen, filtrierte Biere deutlich weniger. Wer Hefe generell schlecht verträgt, reagiert nach Erfahrungsberichten teils auch auf Hefeextrakt in Brühwürfeln oder Fertigprodukten – siehe Beitrag zur Hefe-Unverträglichkeit.

FODMAPs und Fruktane aus dem Malz

Nicht der gesamte Zucker des Malzes wird vergoren. Im fertigen Bier bleiben Fruktane und andere kurzkettige Kohlenhydrate zurück, die der Dünndarm nicht aufnimmt. Sie gelangen in den Dickdarm, werden dort von Bakterien vergoren und erzeugen Gase. Bei einem Reizdarmsyndrom gilt Bier deshalb als kritisches Getränk, Weizenbier tendenziell stärker als Pils.

Sulfite

Sulfite entstehen bei der Gärung in geringen Mengen und werden teils auch als Zusatzstoffe eingesetzt. In der EU müssen Schwefeldioxid und Sulfite ab mehr als 10 mg pro Liter, berechnet als Schwefeldioxid (SO2), auf dem Etikett angegeben werden. Bei empfindlichen Menschen, besonders bei Asthma, können sie Beschwerden hervorrufen.

Der Alkohol selbst: Alkoholintoleranz und ihre Folgen

Oft ist es schlicht das Ethanol. Alkohol reizt die Schleimhaut von Magen und Darm, kann die Durchlässigkeit der Darmbarriere erhöhen, die Passage beschleunigen und die Darmflora verändern. Bei einer genetisch bedingten Alkoholunverträglichkeit – häufig auch Alkoholintoleranz genannt – kommt hinzu, dass die Aldehyddehydrogenase Acetaldehyd nur langsam abbaut; Flush, Herzrasen und Übelkeit treten dann schon nach kleinen Mengen auf. Dann ist der Konsum von Alkohol selbst für die Symptome verantwortlich und nicht ein einzelner Bestandteil des Bieres. Wer nach jedem alkoholischen Getränk Beschwerden hat, sollte deshalb zuerst daran denken.

Unabhängig von jeder Unverträglichkeit gilt: Alkohol ist ein Zellgift, gesundheitliche Risiken bestehen bereits bei kleinen Mengen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, alkoholische Getränke möglichst wegzulassen. In Schwangerschaft und Stillzeit gilt: kein Alkohol. Wer Medikamente einnimmt, klärt die Kombination mit Alkohol ärztlich oder in der Apotheke ab.

Warum der Konsum von Bier Blähungen verursachen kann

Für den aufgeblähten Bauch nach dem Feierabendbier wirken mehrere Faktoren zusammen: Die nicht vergorenen Kohlenhydrate aus dem Malz werden im Dickdarm bakteriell vergoren, wobei Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan entstehen. Dazu kommen die Kohlensäure, die direkt Gas in den Magen-Darm-Trakt bringt, und die Hefe in naturtrüben Bieren. Der Alkohol beschleunigt zusätzlich die Passage und kann weichen Stuhl begünstigen.

Häufig zu lesen ist die Erklärung, Alkohol werde im Darm in Zucker umgewandelt und dieser Zucker verursache die Gase. Das ist nicht korrekt: Ethanol wird überwiegend in der Leber über Acetaldehyd zu Acetat abgebaut. Die Gasbildung stammt aus den Kohlenhydraten des Malzes und aus der Kohlensäure.

Glutenfreies Bier und alkoholfreie Alternativen

Glutenfreies Bier gibt es in zwei Varianten: von vornherein aus glutenfreien Rohstoffen wie Hirse, Reis, Mais oder Buchweizen gebraut – oder aus Gerstenmalz, dessen Gluten enzymatisch gespalten wurde. Als „glutenfrei“ darf in der EU nur ausgelobt werden, was höchstens 20 mg Gluten pro Kilogramm enthält. Bei enzymbehandelten Bieren aus glutenhaltigem Getreide bleibt allerdings ein messtechnisches Problem: Die üblichen Testverfahren erfassen bereits gespaltene Glutenbruchstücke nur eingeschränkt, sodass der tatsächliche Gehalt schwerer zu beurteilen ist als bei Bier aus von vornherein glutenfreien Rohstoffen. Bei Zöliakie besprichst Du die Frage deshalb am besten in Deiner behandelnden Praxis.

Alkoholfreies Bier enthält in Deutschland üblicherweise bis zu 0,5 Prozent Alkohol, Sorten mit der Angabe „0,0 %“ liegen darunter. Gluten, Hefe und die Malzkohlenhydrate bleiben darin enthalten – gelöst ist damit also nur das Alkoholproblem. Wer auf Wein und Bier gleichermaßen reagiert, sollte eher an Histamin oder an den Alkohol selbst denken als an einen einzelnen Inhaltsstoff; Rotwein enthält in der Regel mehr Histamin als Bier, Wein wird dafür häufiger geschwefelt. Wer deswegen bereits auf Wein verzichten musste, verträgt Bier in solchen Fällen selten besser.

Wann Du ärztlichen Rat suchen solltest

Sprich mit Deiner Hausärztin oder Deinem Hausarzt, wenn die Beschwerden regelmäßig auftreten, stärker werden oder Dich im Alltag einschränken. Ärztlich abklären lassen solltest Du außerdem Blut im Stuhl, ungewollten Gewichtsverlust, anhaltenden Durchfall und Beschwerden, die Dich nachts wecken. Bei Verdacht auf eine Zöliakie ist wichtig: Die Diagnostik muss unter glutenhaltiger Ernährung erfolgen – lasse Gluten also nicht vorher auf eigene Faust weg. Eine Eliminationsdiät gehört generell in fachliche Begleitung, damit keine Nährstofflücken entstehen.

Bei Verdacht auf eine Bierallergie sind eine allergologische Praxis und Verfahren wie Prick-Test oder Blutuntersuchung die richtigen Wege; für Allergikerinnen und Allergiker mit bekannten Lebensmittelallergien gilt das besonders. Und unabhängig davon: Wenn Du das Gefühl hast, Deinen Alkoholkonsum nicht mehr gut steuern zu können, sprich ärztliche Hilfe oder eine Suchtberatungsstelle an. Das ist kein Ernährungsthema mehr.

Häufige Fragen

Warum vertrage ich plötzlich kein Bier mehr?

Möglich sind eine veränderte Darmflora nach einem Infekt oder einer Antibiotikatherapie, ein neu aufgetretenes Reizdarmsyndrom, Medikamente, hormonelle Veränderungen oder eine nachlassende Aktivität der Diaminoxidase. Auch mit steigendem Alter wird Alkohol langsamer abgebaut. Halten die Beschwerden an, gehört das ärztlich abgeklärt.

Wie merkt man, dass man Bier nicht verträgt?

Wenn Bier Beschwerden verursacht, treten sie typischerweise wiederkehrend und schon nach kleinen Mengen auf: Flush, verstopfte Nase, Herzrasen, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden. Ein Getränketagebuch hilft, den Zusammenhang zwischen Sorte, Menge und Symptomen sichtbar zu machen.

Kann Bier Darmprobleme verursachen?

Ja. Die nicht vergorenen Kohlenhydrate aus dem Malz werden im Dickdarm vergoren, die Kohlensäure bringt zusätzlich Gas mit, und der Alkohol kann die Darmschleimhaut reizen. Blähungen, Bauchkrämpfe und Durchfall sind die häufigsten Folgen.

Ist glutenfreies Bier bei Zöliakie geeignet?

Bier aus von Grund auf glutenfreien Rohstoffen gilt als geeignet. Biere aus Gerstenmalz mit nachträglich gespaltenem Gluten sind schwerer zu beurteilen, weil die üblichen Testverfahren gespaltenes Gluten nur eingeschränkt erfassen. Im Zweifel entscheidet die behandelnde Praxis.

Hilft alkoholfreies Bier bei einer Bier Unverträglichkeit?

Nur dann, wenn der Alkohol der Auslöser war. Gluten, Hefe, Histamin und die Kohlenhydrate aus dem Malz sind weiterhin enthalten, sodass die Beschwerden bestehen bleiben können.

Das Wichtigste in Kürze

Hinter einer Bier Unverträglichkeit steckt selten eine Allergie. Häufiger sind Gluten aus Gersten- und Weizenmalz, Histamin und andere biogene Amine, Hefe, Fruktane aus dem Malz, Sulfite – oder der Alkohol selbst. Welcher Bestandteil bei Dir im Vordergrund steht, lässt sich am ehesten über ein Getränketagebuch eingrenzen. Anhaltende Beschwerden, der Verdacht auf eine Zöliakie oder eine Bierallergie und Zweifel am eigenen Alkoholkonsum gehören in ärztliche Hände.

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