Oxalatempfindlichkeit durch Ernährung managen

Oxalatempfindlichkeit durch Ernährung managen

Wichtiger Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der neutralen Aufklärung und allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin bzw. entsprechendes Fachpersonal. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte immer medizinisches Fachpersonal konsultiert werden.

Oxalsäure und ihre Salze, die Oxalate, stecken in vielen pflanzlichen Lebensmitteln – in Spinat, Rhabarber und Mangold besonders reichlich. Wer nach dem Essen stumpfe Zähne oder Bauchschmerzen bemerkt, fragt sich schnell, ob Oxalsäure diese Symptome verursachen kann und ob dahinter eine Oxalatempfindlichkeit steckt.

Oxalsäure kommt in vielen Nahrungsmitteln vor, doch nur in wenigen Nahrungsmitteln erreicht sie hohe Konzentrationen. Dieser Artikel ordnet die Symptome ein und zeigt, welche Lebensmittel Oxalsäure enthalten und wie sich der Oxalsäuregehalt beim Zubereiten senken lässt.

Was ist Oxalsäure?

Chemisch ist sie eine organische Säure aus der Gruppe der Dicarbonsäuren, die viele Pflanzen als Stoffwechselprodukt bilden. Oxalsäure verbindet sich im menschlichen Körper mit Mineralstoffen zu Salzen – den Oxalaten. Am bekanntesten ist Calciumoxalat, meist Kalziumoxalat geschrieben: ein schwer lösliches Salz, das Kristalle bilden kann.

Ein kleiner Teil entsteht beim Abbau von Vitamin C, also von Ascorbinsäure, im Körper selbst. Hoch dosierte Vitamin-C-Präparate können die Oxalatausscheidung im Harn deshalb erhöhen; wer zu Nierensteinen neigt, sollte solche Dosierungen ärztlich abklären. Oxalsäure gehört zu den antinutritiven Inhaltsstoffen: Sie bindet Nährstoffe im Essen und hemmt so die Aufnahme von Mineralstoffen. Der größte Teil der Oxalsäure aus der Nahrung wird im Darm gar nicht aufgenommen und verlässt den Körper mit dem Stuhl. Nur ein kleiner Anteil gelangt ins Blut; dieser wird über die Nieren ausgeschieden.

Welche Symptome treten bei zu viel Oxalsäure auf?

Bei gesunden Menschen verursacht die übliche Zufuhr über die Nahrung in der Regel keine Beschwerden. Wer regelmäßig größere Mengen an Oxalaten aufnimmt, kann Folgendes bemerken:

  • Stumpfes Gefühl auf den Zähnen. Es entsteht, wenn die Säure Kalzium aus dem Speichel bindet und feine Kristalle den Zahn und den Zahnschmelz aufrauen. Die Prophylaxe in der Zahnmedizin rät, nach sauren Speisen rund eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen zu warten.
  • Magen-Darm-Beschwerden. Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall nach dem Verzehr solcher Lebensmittel, weil die Schleimhaut gereizt wird.
  • Anzeichen einer Mineralstoffunterversorgung. Weil sie Magnesium und Eisen bindet, können bei sehr einseitiger Ernährung Müdigkeit, Muskelkrämpfe oder Blässe hinzukommen.
  • Beschwerden beim Wasserlassen oder Flankenschmerzen. Solche Anzeichen können auf Nierensteine hinweisen und gehören ärztlich abgeklärt.

Eine echte Vergiftung ist über Lebensmittel praktisch nicht möglich; kritisch wird nur reine Oxalsäure, etwa aus einem Reinigungsmittel.

Woran Du eine Oxalatempfindlichkeit erkennen kannst

Die Beschwerden sind unspezifisch. Notiere zwei bis drei Wochen lang, was Du isst und wann sie auftreten. Häufen sich die Einträge an Tagen mit Spinat, Mangold, Kakao oder schwarzen Tee, lohnt sich der Blick auf den Oxalsäuregehalt dieser Lebensmittel – und das Gespräch in Deiner Praxis.

Ab welcher Menge ist Oxalsäure schädlich?

Über eine gemischte Ernährung nimmt man am Tag etwa 50 bis 200 Milligramm Oxalsäure auf. Diese Mengen an Oxalsäure gelten für gesunde Menschen als unbedenklich; rund 200 Milligramm Oxalsäure pro Tag werden in der Ernährungsmedizin als üblicher Rahmen genannt. Als kritisch gilt dagegen eine einmalige Aufnahme von etwa 5 bis 15 Gramm Oxalsäure in reiner Form – hohe Mengen dieser Größenordnung erreicht kein übliches Lebensmittel. Relevant ist eher eine dauerhaft hohe Zufuhr bei Menschen, deren Nieren nicht voll leistungsfähig sind.

Kristalle und Nierensteine

Rund 70 bis 80 Prozent aller Harnsteine bestehen aus Kalziumoxalat. Wird viel Oxalsäure aufgenommen und über den Urin ausgeschieden, kann dort ein Kristall wachsen und zu Nierensteinen heranreifen. Entscheidend ist nicht die Menge allein, sondern die Konzentration im Urin. Eine dauerhaft stark erhöhte Ausscheidung von Oxalat heißt Hyperoxalurie und gehört in nephrologische Betreuung.

Wer sollte besonders auf Oxalsäure achten?

Für die meisten Menschen ist das kein Grund, diese Lebensmittel zu meiden. Aufmerksamer sein sollten:

  • Menschen mit wiederkehrenden Harn- oder Nierensteinen und Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion
  • Personen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Verdauungstrakts, bei denen mehr Oxalsäure im Darm aufgenommen wird
  • Menschen mit nachgewiesenem Mineralstoffmangel
  • Kleinkinder, für die sehr saures Blattgemüse wie Sauerampfer nicht geeignet ist

Oxalsäure in Lebensmitteln: In welchen Lebensmitteln steckt besonders viel Oxalsäure?

Der Gehalt an Oxalsäure schwankt stark – je nach Sorte, Erntezeitpunkt und Standort. Diese Werte sind Anhaltspunkte in Milligramm Oxalsäure pro 100 Gramm Lebensmittel:

  • Wiesen-Sauerampfer: ca. 500–1.500 mg
  • Gemeiner Rhabarber: ca. 200–800 mg, Blätter deutlich mehr als die Stangen
  • Mangold: ca. 300–650 mg
  • Spinat: ca. 300–600 mg
  • Kakao und dunkle Schokolade: ca. 200–600 mg
  • Mandeln, Weizenkleie, Petersilie: je nach Sorte 100–500 mg
  • Rote Bete: ca. 60–150 mg, das Blattgrün deutlich mehr
  • Schwarzer Tee (aufgebrüht): ca. 10–30 mg

Erdbeeren und Himbeeren enthalten Oxalsäure ebenfalls, allerdings in deutlich geringeren Mengen. Oxalsäure steckt in den meisten Gemüsesorten vor allem in den Randschichten und im Blatt der Pflanze; die Oxalsäure in Spinat sitzt überwiegend in den Blättern, nicht im Stiel. Lebensmittel mit hohem Gehalt sind damit überschaubar: Oxalsäurereiche Lebensmittel wie Spinat und Rhabarber liefern pro Portion deutlich mehr Oxalate als andere Lebensmittel.

Welche Lebensmittel enthalten wenig Oxalsäure?

Die meisten Nahrungsmittel enthalten nur Spuren davon: Karotte, Kürbis, Zucchini, Blumenkohl, Gurke und Kartoffeln zählen dazu, ebenso Obst wie Apfel, Birne oder Melone. Auch Reis, Hafer, Speisefisch, Fleisch, Eier und Milcherzeugnisse liefern kaum Oxalate. Ganz auf Lebensmittel verzichten musst Du deshalb selten: Meist reicht es, den Verzehr von Rhabarber oder Spinat zu begrenzen und oxalsäurehaltige Lebensmittel zu blanchieren.

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Was Du im Alltag tun kannst: Oxalate in Lebensmitteln reduzieren

Wer Mangold oder Rhabarber häufig isst, kann den Gehalt in diesen Lebensmitteln mit einfachen Mitteln deutlich reduzieren:

  • Kochen und Wässern. Oxalate sind wasserlöslich. Wer das Gemüse kurz blanchiert und das Kochwasser weggießt, senkt die Oxalsäure deutlich: Rund 30 bis 50 Prozent bleiben im Wasser zurück.
  • Der Calcium-Trick. Milch, Joghurt oder Käse binden Oxalsäure bereits im Verdauungstrakt: Calcium und Oxalate verbinden sich dort zu Calciumoxalat, das mit dem Stuhl statt über die Nieren ausgeschieden wird.
  • Schälen und Blätter entfernen. Rhabarberstangen schälen, die Blätter grundsätzlich nicht verzehren.
  • Ausreichend trinken. Als Richtwert nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rund 1,5 Liter Wasser am Tag für Erwachsene; verdünnter Harn erschwert es, dass ein Kristall wächst. Wer schon einmal Nierensteine hatte, bekommt in der Regel eine deutlich höhere Trinkmenge ärztlich empfohlen – diese Vorgabe gilt dann vor der allgemeinen Empfehlung.
  • Auf die Darmflora achten. Bestimmte Bakterien können Oxalsäure abbauen. Ballaststoffe aus Getreide, Gemüse und Obst tragen zu einer normalen Darmfunktion bei.

Wann Du ärztlichen Rat suchen solltest

Zeitnah in die Praxis gehören Beschwerden beim Wasserlassen, Blut im Harn, wiederkehrende Flankenschmerzen, anhaltender Durchfall und unerklärter Gewichtsverlust. Sofort ärztliche Hilfe brauchst Du bei starken, krampfartigen Flankenschmerzen mit Fieber oder Erbrechen. Bei Verdacht auf eine Vergiftung mit einem oxalsäurehaltigen Reinigungsmittel ist der Giftnotruf die erste Adresse.

Häufige Fragen

Was macht zu viel Oxalsäure im Körper?

Zu viel davon bindet Kalzium, Magnesium und andere Mineralstoffe und kann deren Aufnahme hemmen. Ein Teil verlässt den Körper über die Nieren und kann im Harn auskristallisieren – so entstehen Steine.

Wie kann ich Oxalsäure im Körper neutralisieren?

Vollständig neutralisieren lässt sie sich nicht. Das Calcium aus Milcherzeugnissen bindet sie schon im Verdauungstrakt, Blanchieren senkt den Anteil in den Lebensmitteln, und ausreichend Flüssigkeit unterstützt die Ausscheidung.

Wie äußert sich eine Oxalsäurevergiftung?

Über Lebensmittel ist eine Vergiftung praktisch nicht zu erreichen, betroffen ist nur die reine Substanz. Anzeichen wären starke Bauchschmerzen, Erbrechen, Krämpfe und Nierenprobleme – ein Notfall für den Giftnotruf.

Welche Symptome treten bei zu viel Oxalat auf?

Am häufigsten sind stumpfe Zähne, Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall nach dem Verzehr oxalsäurereicher Lebensmittel. Bei dauerhaft hoher Zufuhr kommen Anzeichen einer Mineralstoffunterversorgung und Beschwerden beim Wasserlassen infrage.

Darf man Rhabarber roh essen?

Besser nicht. Kochen zerstört die Oxalsäure nicht, ein Teil geht aber ins Kochwasser über – wer das Wasser weggießt, senkt den Gehalt. Geschält, gekocht und mit einer Milchkomponente kombiniert ist Rhabarber deshalb besser verträglich als roh. Die Blätter gehören nie auf den Teller.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflanzliche Lebensmittel liefern Oxalate von Natur aus; für die meisten Menschen sind übliche Mengen unbedenklich.
  • Große Mengen Oxalsäure stecken in Blattgemüse, Kakao und dunkler Schokolade – in den meisten anderen Lebensmitteln steckt nur wenig davon.
  • Typische Symptome sind stumpfe Zähne und Magen-Darm-Beschwerden nach dem Essen solcher Lebensmittel.
  • Blanchieren, das Wasser weggießen, etwas Calcium dazu und ausreichend trinken senken die Aufnahme von Oxalsäure.
  • Bei Nierensteinen, eingeschränkter Nierenfunktion oder Darmerkrankungen gehört die Zufuhr ärztlich besprochen.

Passend dazu: unsere Beiträge zur Spargel-Unverträglichkeit, zur Brokkoli-Unverträglichkeit und zur Salat-Unverträglichkeit.

Quellen und weiterführende Informationen

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