Nierenschäden durch Alkohol und Vitaminmangel

Nierenschäden durch Alkohol und Vitaminmangel

Wichtiger Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der neutralen Aufklärung und allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin bzw. entsprechendes Fachpersonal. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte immer medizinisches Fachpersonal konsultiert werden.

Dass die Leber unter Alkohol leidet, weiß fast jeder. Dass ein hoher Alkoholkonsum auch die Nieren belasten und auf Dauer schädigen kann, ist weniger bekannt. Nierenschäden durch Alkohol entwickeln sich meist über Jahre und lange ohne deutliche Beschwerden – und wenn die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen knapp ist, kann die Belastung zusätzlich zunehmen.

Hier liest Du, was beim Konsum im Körper passiert, wie beides zusammenhängt, welche Warnzeichen beschrieben werden und wann Du ärztlichen Rat suchen solltest.

Was passiert beim Alkoholkonsum im Körper – wie er abgebaut und ausgeschieden wird

Der Wirkstoff in Bier, Wein und Spirituosen ist Ethanol – eine Substanz, die der Körper als Zellgift einstuft. Der größte Teil wird in der Leber abgebaut, zunächst zu Acetaldehyd, danach zu Essigsäure, schließlich zu Kohlendioxid und Wasser. Ein kleinerer Teil wird unverändert über Atem, Haut und über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden.

Die Abbauprodukte des Alkohols zirkulieren im Blut und haben negative Auswirkungen auf den Körper an vielen Stellen gleichzeitig. Ethanol hemmt außerdem die Ausschüttung des Hormons Vasopressin, auch antidiuretisches Hormon oder ADH genannt, das dafür sorgt, dass die Nieren Wasser zurückhalten. Die Folge ist eine vermehrte Flüssigkeitsausscheidung: Du musst häufiger auf die Toilette, das Flüssigkeitsvolumen sinkt, und trocknet der Körper dabei aus, gerät der Flüssigkeitshaushalt aus dem Gleichgewicht.

Funktion der Nieren: filtern, den Wasserhaushalt aufrechterhalten, Ausscheidung von Stoffwechselprodukten

Die Nieren sind zwei bohnenförmige Organe, durch die täglich rund 1.500 Liter Blut fließen. Beim Filtern trennen sie Abfallstoffe vom Blut, geben es gereinigt zurück in den Kreislauf und scheiden den Rest als Harn aus. Wie gut das gelingt, beschreibt die Nephrologie über die glomeruläre Filtrationsrate. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nennt folgende Aufgaben:

  • Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushalts im Körper
  • Regulieren von Mineralien und Elektrolyten im Blut
  • Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Giftstoffen (Toxinen) und Abfallstoffen
  • Bildung von Hormonen für rote Blutkörperchen, Knochen und Blutdruck
  • Steuerung des Säure-Basen-Haushalts

Fallen diese Leistungen nach und nach aus, können sich Stoffwechselprodukte im Blut anreichern. Weil sie so viele Aufgaben übernehmen, wirken sich Nierenprobleme selten nur lokal aus.

Schadet Alkohol den Nieren? Auswirkungen von Alkohol auf ein empfindliches Organ

Auf die Menge kommt es an: Ein einzelnes Glas wirkt anders als ein über Jahre chronisch hoher Konsum. Drei Wege sind beschrieben.

Kurzfristig: Wie wirkt Alkohol auf Wasserhaushalt und Urin?

Unter Alkoholeinfluss fällt es schwerer, den Wasserhaushalt stabil zu halten. Weniger Flüssigkeit im Körper bedeutet konzentrierteren Harn – ein Zustand, der mit der Bildung von Nierensteinen in Verbindung gebracht wird. Welche Rolle die Ernährung dabei spielt, liest Du im Beitrag zur Oxalat-Empfindlichkeit und Ernährung.

Langfristig: alkoholbedingte Schädigung, wenn übermäßiger Alkoholkonsum die Nieren schädigen kann

Eine Hauptaufgabe ist es, schädliche Substanzen aus dem Blut zu filtern. Ein übermäßiger Alkoholkonsum kann die Nieren überfordern; eine solche Überlastung der Nieren wird damit in Verbindung gebracht, dass Stoffwechselprodukte länger im Blut verbleiben. Auch die Leberfunktion spielt mit: Ist sie durch langjährigen Konsum geschädigt, kann sie den Blutfluss schlechter aufrechterhalten, und ein verminderter renaler Blutfluss beeinträchtigt die Filterleistung. Von alkoholbedingten Nierenschäden spricht man deshalb meist erst nach Jahren; ein über Jahrzehnte sehr hoher Konsum wird auch mit einem chronischen Nierenversagen in Verbindung gebracht. Nach sehr großen Mengen in kurzer Zeit kann die Nierenfunktion akut absinken – in seltenen Fällen bis zu einem akuten Nierenversagen, das umgehend ärztlich versorgt werden muss. Beschrieben wird dabei neben dem Flüssigkeitsverlust auch ein Zerfall von Muskelgewebe, fachlich Rhabdomyolyse, bei dem Muskelfarbstoff in die Nieren gelangt. Ein sehr dunkler, rötlich-brauner Harn nach einer solchen Nacht gehört deshalb umgehend ärztlich abgeklärt.

Indirekt: erhöhter Blutdruck, der die Blutgefäße in den Nieren schädigt

Regelmäßiger Konsum wird mit höheren Werten in Verbindung gebracht, und ein dauerhaft hoher Druck in den Gefäßen gilt als bedeutsamer Risikofaktor, weil hoher Druck die feinen Blutgefäße in den Nieren schädigt. Ähnliches gilt für dauerhaft hohe Blutzuckerwerte und einen hohen Salzkonsum. Alkoholische Getränke bringen zudem viele Kalorien und im Fall von Bier auch Purine mit – beides wird mit erhöhten Harnsäurewerten in Verbindung gebracht. Wenn Du Bier schlecht verträgst, kann auch etwas anderes dahinterstecken: mehr dazu im Beitrag zur Bier-Unverträglichkeit.

Nierenschäden durch Alkohol und Vitaminmangel

Regelmäßiges Trinken und Mikronährstoffe hängen enger zusammen, als viele vermuten. Regelmäßiger Konsum wird mit einer schlechteren Aufnahme und einer erhöhten Ausscheidung bestimmter Vitamine und Mineralstoffe in Verbindung gebracht – diskutiert werden vor allem die B-Vitamine, darunter Vitamin B1 (Thiamin), sowie Magnesium, Zink und Vitamin D. Gleichzeitig ersetzen alkoholische Getränke oft nährstoffreiche Mahlzeiten. Eine knappe Versorgung löst keine Nierenschäden aus, kann den Körper aber zusätzlich schwächen. Wie sich ein Vitaminmangel an anderer Stelle zeigen kann, beschreibt unser Artikel zu grauen Haaren und Vitaminmangel.

Wenn die Nierenfunktion beeinträchtigt oder geschwächt ist

Diese Beschwerden werden nicht auf die Nährstoffzufuhr zurückgeführt, sondern auf eine eingeschränkte Filterleistung:

  • Blutarmut. Gebildet wird hier Erythropoetin, das die Neubildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) anregt. Ist die renale Funktion beeinträchtigt, kann deren Zahl sinken.
  • Anhaltende Müdigkeit. Beschrieben wird eine Erschöpfung, die sich auf Konzentration und körperliche Belastbarkeit auswirken kann.
  • Schwellungen (Ödeme). Lagert der Körper Flüssigkeit ein, zeigt sich das als Schwellung an Knöcheln, Füßen oder Händen.

Wie merkt man, dass mit den Nieren etwas nicht stimmt?

Warnzeichen: Schwellung, veränderte Harnmenge, auffällige Werte

Das Tückische an einer chronischen Nierenkrankheit ist ihr stummer Verlauf: Erst wenn ein großer Teil der Filterleistung verloren ist, treten deutliche Beschwerden auf. Mögliche Hinweise, die ärztlich abgeklärt gehören:

  • veränderte Menge, schäumender, sehr dunkler oder blutiger Harn
  • Schwellungen an Beinen, Knöcheln, Händen oder im Gesicht
  • anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Leistungsabfall
  • dauerhaft hohe Werte bei Blutdruckmessungen
  • Juckreiz, Appetitlosigkeit oder Übelkeit ohne erkennbaren Grund
  • dumpfe Schmerzen seitlich im Lendenbereich

Ob tatsächlich eine Schädigung vorliegt, lässt sich nur ärztlich klären – in der Regel über Blut- und Urinwerte sowie eine Ultraschalluntersuchung.

Nierenschmerzen nach Alkohol – wie lange dauern sie?

Viele Menschen berichten nach einer durchzechten Nacht von einem Ziehen im unteren Rücken. Häufig steckt dahinter keine Schädigung der Nieren, sondern eine Dehydratation, verspannte Muskulatur oder eine gereizte Magenschleimhaut; nach Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts klingt das meist in ein bis zwei Tagen ab. Halten die Schmerzen länger an, kehren sie regelmäßig wieder oder kommen Fieber, Blut im Harn oder Schmerzen beim Wasserlassen hinzu, gehört das umgehend ärztlich abgeklärt. Eine über Jahre entstandene Schädigung dreht sich dagegen nicht einfach zurück.

Was Du im Alltag für Deine Nieren tun kannst

Trainieren lassen sie sich nicht, entlasten schon. Wer Alkohol trinken möchte, kann die Belastung zumindest begrenzen:

  • Alkoholfreie Tage einplanen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, möglichst auf alkoholische Getränke zu verzichten.
  • Ausreichend trinken. Wasser und ungesüßte Tees unterstützen die Ausscheidung; bei bekannten Nierenproblemen gilt die ärztlich empfohlene Trinkmenge.
  • Werte im Blick behalten. Regelmäßige Blutdruckkontrollen gehören zu den einfachsten Routinen überhaupt.
  • Speisesalz reduzieren. Weniger Salz kann den Kreislauf entlasten.
  • Protein maßvoll einsetzen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann eine sehr hohe Eiweißzufuhr die Nieren belasten.
  • Schmerzmittel nicht dauerhaft ohne Rücksprache nehmen. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können die Nieren belasten, besonders zusammen mit wenig Flüssigkeit oder mit Alkohol. Eine längere Einnahme gehört ärztlich abgesprochen.

Wichtig: Nahrungsergänzungsmittel gleichen die Folgen eines hohen Konsums nicht aus. Manche Präparate müssen bei eingeschränkter Filterleistung sogar gemieden werden – sprich die Einnahme deshalb immer mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt ab.

Wann Du ärztlichen Rat suchen solltest

Sofort ärztliche Hilfe ist angebracht bei stark verminderter oder ausbleibender Urinausscheidung, bei Blut im Urin, bei hohem Fieber mit Flankenschmerz, bei kolikartigen Schmerzen, bei Atemnot oder rasch zunehmenden Schwellungen sowie bei Verwirrtheit nach starkem Konsum.

Zeitnah, aber ohne Notfall, gehören anhaltende Flankenschmerzen, schäumender oder dauerhaft dunkler Harn, ungewollte Gewichtsveränderungen, dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte und anhaltende Erschöpfung in ärztliche Hände. Besonders aufmerksam solltest Du sein, wenn in Deiner Familie Nierenprobleme vorkommen, wenn bei Dir erhöhte Blutdruckwerte oder Blutzuckerwerte bekannt sind, wenn Du regelmäßig Schmerzmittel einnimmst oder regelmäßig größere Mengen trinkst. Menschen mit bekannten Nierenproblemen, in Dialysebehandlung oder nach einer Nierentransplantation sollten mit dem behandelnden Team klären, ob Alkohol zu trinken für sie vertretbar ist.

Häufige Fragen zu Alkohol und Nieren

Wie schädlich ist Alkohol für die Nieren?

Er wirkt entwässernd, wird mit höheren Blutdruckwerten in Verbindung gebracht und kann die Filterleistung überfordern. Ab wann ein Alkoholkonsum schadet, lässt sich nicht exakt beziffern; ein hoher, über Jahre anhaltender Konsum wirkt sich am deutlichsten aus, einzelne Gläser belasten vor allem kurzfristig den Wasserhaushalt.

Welche Organe schädigt Alkohol am meisten?

Am bekanntesten ist die Leber. Beschrieben werden aber auch Auswirkungen auf Gehirn, Herz, Bauchspeicheldrüse, Magen-Darm-Trakt und eben die Nieren.

Wie lange brauchen die Nieren, um sich von Alkohol zu erholen?

Nach einer einmaligen Belastung normalisiert sich der Flüssigkeitshaushalt bei gesunden Menschen meist innerhalb von ein bis zwei Tagen. Eine über Jahre entstandene Schädigung bildet sich dagegen nicht einfach zurück.

Schadet Bier den Nieren?

Entscheidend ist die Menge an reinem Ethanol, nicht die Getränkeart. Bier enthält zusätzlich Purine, die mit höheren Harnsäurewerten in Verbindung gebracht werden.

Kann Alkohol eine chronische Nierenkrankheit verursachen?

Er ist selten der einzige Auslöser. Ein übermäßiger Konsum gilt jedoch als Risikofaktor, der zusammen mit hohen Blutdruckwerten und Blutzuckerwerten sowie Leberschäden zu einer dauerhaft eingeschränkten Nierenfunktion beitragen kann.

Welche Getränke sind gut für die Nieren, welche belasten die Nieren?

Wasser und ungesüßte Tees sind die unkomplizierteste Wahl. Stark gezuckerte und alkoholische Getränke belasten eher; bei eingeschränkter Filterleistung richtet sich die Trinkmenge nach ärztlicher Vorgabe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der größte Teil wird in der Leber abgebaut; ein Rest wird unverändert über die Nieren ausgeschieden.
  • Ethanol hemmt Vasopressin und führt zu vermehrter Flüssigkeitsausscheidung – der Wasserhaushalt gerät kurzfristig aus dem Gleichgewicht.
  • Ein regelmäßig hoher Alkoholkonsum kann die Filterleistung überfordern und wirkt zusätzlich indirekt über Kreislauf, Blutzucker und den Leberstoffwechsel.
  • Nierenschäden durch Alkohol verlaufen lange stumm; erste Hinweise sind Veränderungen beim Wasserlassen, auffällige Werte, Leistungsabfall und Schwellungen.
  • Bei Warnzeichen oder bekannten Nierenproblemen entscheidet immer die ärztliche Einschätzung.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Wie funktionieren die Nieren? – gesundheitsinformation.de
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Empfehlungen zu Getränken – dge.de
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Leitlinien der Nephrologie – awmf.org

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