Ist eine Haaranalyse bei gefärbten Haaren möglich?

Ist eine Haaranalyse bei gefärbten Haaren möglich?

Wichtiger Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der neutralen Aufklärung und allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder Allergologen. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte immer medizinisches Fachpersonal konsultiert werden.

Gefärbtes, getöntes oder blondiertes Haar ist eher der Normalfall als die Ausnahme. Wer eine Haarprobe einschicken möchte, stößt deshalb schnell auf die Frage, ob eine Haaranalyse bei gefärbten Haaren überhaupt etwas bringt. Die kurze Antwort: Eine Probe lässt sich fast immer entnehmen. Entscheidend ist, welche Frage damit beantwortet werden soll.

Denn eine chemische Behandlung verändert den Haarschaft, und zwar genau dort, wo ein Labor später hinschaut. Das verschiebt die Werte in eine Richtung, die sich nicht sauber herausrechnen lässt. Für die Beurteilung der Vitamin- und Mineralstoffversorgung ist die Haaranalyse ohnehin kein anerkanntes Standardverfahren; als Referenz gelten ärztlich veranlasste Blut- beziehungsweise Serumuntersuchungen. Gefärbtes Haar ist dort ein zusätzlicher Grund zur Zurückhaltung, nicht der einzige.

Anders sieht es dort aus, wo die Methode etabliert ist: bei einer länger zurückliegenden Belastung mit Schwermetallen sowie bei toxikologischen und forensischen Fragen. Dafür macht die untersuchende Stelle klare Vorgaben – meist unbehandeltes Kopfhaar, am Hinterkopf abgeschnitten und nah an der Kopfhaut. Dieser Text ordnet ein, was Färben, Tönen oder andere Behandlungen mit dem Haar machen und wie eine Haarentnahme bei behandeltem Haar sinnvoll abläuft.

Was Färben, Tönen und Blondieren mit dem Haar machen

Das sichtbare Haar besteht aus verhornten, nicht mehr lebenden Zellen. In der Haarzwiebel entstehen laufend neue Zellen, die miteinander verkleben und verhornen; so wird ein Kopfhaar pro Monat etwa 1 cm länger. Das beschreibt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen in seiner Übersicht zum Aufbau der Haare. Während der Wachstumsphase gelangen Stoffe aus dem Blut in die Haarwurzeln und bleiben im fertigen Haar gebunden. Aus dem Haarwachstum wird dadurch eine grobe Zeitachse: Haarabschnitte von 6 cm bilden ungefähr ein halbes Jahr ab.

Coloration, Tönung, Blondierung und Dauerwelle

Eine dauerhafte Coloration wirkt nicht auf dem Haar, sondern in ihm. Das Bundesinstitut für Risikobewertung beschreibt für Oxidationshaarfarben, dass ein Farbvorprodukt wie p-Phenylendiamin eingesetzt wird und sich der eigentliche Farbton erst in einer chemischen Reaktion mit Oxidationskupplern im Haar bildet. Damit das ablaufen kann, wird die Schuppenschicht geöffnet. Eine Blondierung geht weiter und baut das eigene Pigment ab. Tönungen bleiben stärker an der Oberfläche, sind aber ebenfalls eine chemische Haarbehandlung. Eine Dauerwelle löst und knüpft die Bindungen im Keratin neu.

Warum eine Haarbehandlung die Werte verschiebt

Die Verschiebung läuft in beide Richtungen. Beim Öffnen der Schuppenschicht wird ein Teil dessen ausgespült, was im Haar eingelagert war – Mineralstoffe und Spurenelemente gehören dazu. Gleichzeitig kommt über Farbe, Blondiermittel, Wasser und Pflegeprodukte etwas hinzu, das nie im Körper war. Beides steht am Ende in derselben Tabelle, ohne dass sich der Anteil trennen ließe. Dazu nimmt kosmetisch geschädigtes Haar mit aufgerauter Oberfläche Staub und äußere Ablagerungen leichter auf. Auch deshalb setzen Labore für die Einlagerung im Haar unbehandelte Haarproben voraus.

Wofür eine Haaranalyse anerkannt ist – und wofür nicht

Schwermetalle und länger zurückliegende Belastungen

Auf ihrem eigentlichen Feld ist die Methode etabliert. Metalle binden gut an das Keratin des Haares und bleiben dort über Monate erhalten, während viele Substanzen im Urin nur wenige Tage auffindbar sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung informiert über die gesundheitliche Bewertung von Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen, die über Lebensmittel aufgenommen werden. Besteht ein konkreter Verdacht auf eine Belastung, veranlasst eine Ärztin oder ein Arzt die passende Untersuchung und ordnet das Ergebnis ein.

Toxikologisch und kriminaltechnisch ist die chemische Analyse von Haarproben außerdem beim Nachweis von Arzneimitteln und Betäubungsmitteln etabliert; in der Fahreignungsdiagnostik dient ein Haarabschnitt von 6 cm Länge als Abstinenzbeleg für rund sechs Monate. Für genau diesen Nachweis verlangen die untersuchenden Stellen unbehandeltes Haar – gefärbte oder blondierte Strähnen werden dort in der Regel zurückgewiesen.

Vitamine und Mineralstoffe: kein Standardverfahren

Für die Beurteilung der Vitamin- und Mineralstoffversorgung sind Haaranalysen wissenschaftlich nicht als Standardverfahren anerkannt. Der Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen im Haar hängt nicht allein von der Versorgungslage ab, sondern auch von Haarfarbe und Wachstumsgeschwindigkeit, vom Waschverhalten, von Colorationen und Pflegeprodukten sowie von Staub und äußeren Ablagerungen. Für Spurenelemente fehlen im Haar einheitliche Normalwerte, und zwei Haarproben derselben Person können je nach Vorgehen unterschiedlich ausfallen. Das gilt für eine Haarmineralanalyse ebenso wie für jedes andere Verfahren. Wie viel von einem Nährstoff ein Erwachsener täglich aufnehmen sollte, beschreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihren Referenzwerten; wo Du selbst stehst, klärt eine ärztlich veranlasste Untersuchung. Eine ausführliche Einordnung dazu, wann eine Haar-Analyse sinnvoll ist, findest Du in unserem Beitrag zum Thema.

Haarprobe bei gefärbtem Haar richtig entnehmen

Die Selbsttests für zu Hause von Medicross sind Wellness-Tests auf Basis einer Haarprobe. Du entnimmst die Probe selbst und sendest sie in der beiliegenden Tüte ein; anschließend erhältst Du eine Ergebnisübersicht per E-Mail. Benötigt werden 10 bis 20 Haare, möglichst kopfhautnah abgeschnitten – auf die Haarlänge kommt es dabei nicht an. Der Unverträglichkeits-Test gibt Dir Anhaltspunkte dafür, welche Lebensmittel Du im Alltag genauer beobachten möchtest. Eine ärztliche Abklärung ersetzt der Test nicht.

Der nachgewachsene Ansatz ist unbehandelt, sofern seit dem letzten Färben Zeit vergangen ist. Bei rund 1 cm Wachstum im Monat steht vier Wochen nach der Coloration etwa ein Zentimeter unbehandelter Ansatz zur Verfügung, nach einem Vierteljahr etwa drei Zentimeter. Eine Haarprobe entnimmst Du deshalb sinnvollerweise kurz vor dem nächsten Friseurtermin und nicht kurz danach.

Praktisch heißt das: eine kleine Strähne am Hinterkopf, etwa so dick wie ein Streichholz, möglichst dicht an der Kopfhaut abschneiden. Ausgerissene Haare mit Haarwurzel oder Haarfollikel sind dafür nicht nötig. Die Angabe „fünf bis zehn Strähnen entsprechen 250 ml Haaren“, die in älteren Ratgebertexten kursiert, ergibt keinen Sinn – Haar wird nicht in Millilitern bemessen. Verbindlich ist die Anleitung der untersuchenden Stelle: Menge, Entnahmestelle und ob behandeltes Haar akzeptiert wird. Frage im Zweifel vor der Bestellung nach, welche Aussage ein Ergebnis überhaupt trägt.

Was Du im Alltag tun kannst

Mit gefärbtem Haar musst Du auf eine Haarprobe nicht verzichten – es lohnt sich aber, die Entnahme zu planen und die Erwartung an das Ergebnis realistisch zu halten. Die folgenden Punkte helfen dabei.

  • Nutze für die Haarentnahme den nachgewachsenen Ansatz nah an der Kopfhaut, nicht die Spitzen.
  • Plane die Entnahme mit Abstand zur letzten Coloration, Tönung, Blondierung oder Dauerwelle.
  • Notiere, wann Du zuletzt gefärbt hast, und gib es an, wenn danach gefragt wird.
  • Lies vor der Bestellung, welche Vorgaben zu behandeltem Haar in der Anleitung stehen.
  • Führe zwei bis vier Wochen lang ein Tagebuch zu Mahlzeiten, Schlaf und Wohlbefinden.
  • Kläre die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln ärztlich ab und deute Zahlen aus einer Haarprobe nicht auf eigene Faust.

Wann Du ärztlichen Rat suchen solltest

In die Praxis gehören plötzlicher, büschelweiser Haarverlust und kahle Stellen mit Rötung, Schuppung oder Schmerzen an der Kopfhaut. Ebenso Haarveränderungen zusammen mit ungewolltem Gewichtsverlust, ausgeprägter Müdigkeit oder Zyklusveränderungen sowie anhaltende Beschwerden mit Haut, Nägeln und Haaren. Anhaltende Magen-Darm-Beschwerden nach dem Essen gehören abgeklärt, bevor Du Lebensmittel dauerhaft streichst. Und bei jedem konkreten Verdacht auf eine berufliche oder häusliche Belastung mit Schwermetallen entscheidet die Ärztin oder der Arzt, welche Untersuchung sinnvoll ist – nicht ein selbst bestellter Test.

Häufige Fragen

Ist eine Haaranalyse bei gefärbten Haaren möglich?

Eine Probe lässt sich entnehmen, doch die Aussagekraft leidet: Chemische Haarbehandlungen verändern den Haarschaft, spülen Eingelagertes teilweise heraus und bringen Fremdstoffe ein. Viele Anbieter von Haaranalysen verlangen deshalb unbehandeltes Haar; in der Fahreignungsdiagnostik ist das die Regel.

Wie lange sollte ich nach dem Färben warten?

Eine feste Wartezeit gibt es nicht, sie ergibt sich aus dem Wachstum. Bei etwa 1 cm pro Monat steht nach vier Wochen rund ein Zentimeter unbehandeltes Haar zur Verfügung, nach drei Monaten etwa drei. Wird ein längerer Abschnitt gebraucht, etwa 6 cm für einen Abstinenzbeleg, entsprechend länger.

Gilt das auch für Tönung, Blondierung und Dauerwelle?

Ja. Tönungen wirken schwächer als eine dauerhafte Coloration, sind aber ebenfalls chemisch. Blondierung und Dauerwelle greifen besonders stark in die Struktur ein. Für die Frage, ob eine Haarprobe brauchbar ist, zählt nicht die Farbe, sondern die Behandlung.

Kann ich stattdessen Körperhaare einschicken?

Manche Stellen akzeptieren Körperhaare, wenn Kopfhaar fehlt oder durchgehend behandelt ist. Sie wachsen langsamer und bilden einen unschärferen Zeitraum ab, weshalb sich Ergebnisse nicht eins zu eins übertragen lassen.

Lässt sich über gefärbtes Haar ein Vitaminmangel erkennen?

Nein, und über ungefärbtes ebenso wenig: Für die Vitamin- und Mineralstoffversorgung sind Haaranalysen kein anerkanntes Standardverfahren, weil einheitliche Normalwerte fehlen und zu viele äußere Einflüsse mitwirken. Diese Frage gehört in eine ärztlich veranlasste Untersuchung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Haarprobe lässt sich auch bei gefärbtem Haar entnehmen – aussagekräftiger wird sie dadurch nicht.
  • Coloration, Tönung, Blondierung und Dauerwelle verändern den Haarschaft und verschieben die Werte in beide Richtungen.
  • Kopfhaar wächst rund 1 cm im Monat; der Ansatz ist der unbehandelte Teil.
  • Etabliert sind Haaranalysen bei länger zurückliegenden Belastungen mit Schwermetallen sowie bei toxikologischen und forensischen Fragen – dort wird unbehandeltes Haar verlangt.
  • Für die Vitamin- und Mineralstoffversorgung sind sie kein anerkanntes Standardverfahren; Referenz sind ärztlich veranlasste Untersuchungen.
  • Die Angabe „250 ml Haare“ ist unsinnig: Maßgeblich ist die Anleitung der untersuchenden Stelle.

Quellen und weiterführende Informationen

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